Presseschau

05.07.2022: Mehr Antibiotika ausschließlich für Humanmedizin

Weltweit nehmen Resistenzen gegen Antibiotika zu. Um dem entgegenzuwirken, sind bestimmte antimikrobielle Mittel ausschließlich für die Behandlung von Menschen vorgesehen. In einer aktuell von den EU-Mitgliedstaaten beschlossenen Liste werden die Antibiotika aufgeführt, die nicht mehr für den Einsatz bei Tieren zur Verfügung stehen sollen. Mit dem heutigen Rechtsakt wurde zudem verfügt, dass Anträge zur Zulassung von Tierarzneimitteln, die humanmedizinische antimikrobielle Mittel enthalten, ausnahmslos abgelehnt werden. „Die Antibiotikaresistenz ist eine stille Pandemie, und ihre Bekämpfung ist seit Beginn meiner Amtszeit eine Priorität. Die Liste ist ein Meilenstein auf der ganzen Welt und ein großer Schritt zur Eindämmung der Antibiotikaresistenz.

Die heute von den Mitgliedstaaten erhaltene Unterstützung zeigt, dass die EU entschlossen ist, die Antibiotikaresistenz zu bekämpfen“, erklärt Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die Auswahl der Mittel wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Beratung und Bewertung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in Zusammenarbeit mit Experten aus den EU-Mitgliedstaaten, dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestimmt. Sie wird nun in den kommenden Wochen von der Kommission förmlich angenommen. Sechs Monate nach Veröffentlichung, die voraussichtlich im Laufe des Sommers erfolgen wird, tritt sie dann in Kraft.

Europäische Kommission

01.07.2022: Graslandbasierte Mutterkuhhaltung wirtschaftlich optimieren

Die Mutterkuhhaltung hat sich in der Schweiz in den vergangenen 20 Jahren knapp verdreifacht. Auch wenn die Stallhaltung noch immer dominiert, gewinnt die graslandbasierte Mutterkuhhaltung immer mehr an Bedeutung. Das Ergebnis einer Studie zeigt jedoch, dass gerade kleinere Betriebe in Talregionen nur selten ein zufrieden stellendes Einkommen erwirtschaften. Um die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung zu optimieren, hatte Agroscope 42 Mutterkuhbetriebe im Tal- und Berggebiet analysiert und fünf standardisierte und standortangepasste Produktionssysteme miteinander verglichen. Die Studie ergab,

dass nur eine Effizienzsteigerung oder eine Kostensenkung die Wirtschaftlichkeit verbessern können. Die Produktivität der Mutterkuh könnte beispielsweise durch Zukaufskälber erhöht werden. Oder die Landwirtinnen und Landwirte versuchen, die Kosten zu senken und gemeinwirtschaftliche Leistungen für die Biodiversität zu erbringen, die mit Direktzahlungen entschädigt werden. In beiden Strategien gilt es, den Wettbewerbsvorteil einer graslandbasierten, standortangepassten Fleischproduktion zu erhalten. Das heißt unter anderem auch, den Import von Kraftfutter zu minimieren.

Schweizerbauer

23.06.2022: ENVI-Einwand erneut abgelehnt

Das Europäische Parlament (EP) hat dem Umwelt- und Gesundheitsausschuss (ENVI), der in der vergangenen Woche einen Einwand gegen den Durchführungsrechtsakt (Implementing Act) zu Reserveantibiotika eingebracht hatte, heute eine erneute Absage erteilt. Eine große Mehrheit der Parlamentsmitglieder lehnten den Einwand ab und bestätigt gleichzeitig das eigene Votum aus dem vergangenen Herbst. Der Durchführungsrechtsakt war von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) erarbeitet worden. Die Ablehnung des Einwands des ENVI basiert auf den gleichen Argumenten, die bereits im vergangenen Herbst mit

übergroßer Mehrheit vom EP abgelehnt wurden. „Wir begrüßen deshalb diese Ablehnung des ENVI-Einwands, denn eine Zustimmung hätte aus unserer Sicht in inhaltlichem Widerspruch zum letzten Votum gestanden, ja diese Entscheidung sogar konterkariert“, erklärt Dr. Siegfried Moder, Präsident der Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt). „Der Durchführungsrechtsakt macht die Europäische Union zum weltweiten Vorreiter in Sachen Antibiotikaresistenzbekämpfung und sichert gleichzeitig die notwendigen Behandlungsmöglichkeiten für kranke Tiere“, so Moder weiter. Da auch eine Mehrheit der Mitgliedsstaaten bereits Zustimmung signalisiert hat, dürfte nun einer baldigen Veröffentlichung des Durchführungsrechtsakts nicht mehr im Wege stehen.

bpt

23.06.2022: Verlängerte Übergangsfrist bei Kälbertransporten abgelehnt

Ab Januar 2023 dürfen Kälber innerhalb Deutschlands erst ab einem Mindestalter von 28 Tagen transportiert werden. Kälber nicht vor der 5. Lebenswoche zu transportieren, ist aus Tierschutzsicht notwendig, da das Immunsystem der Jungtiere frühestens in einem Alter von etwa vier Wochen hinreichend belastbar ist. In der immunologischen Lücke (3. bis 4. Lebenswoche) ist kein ausreichender Immunschutz gegeben. Den Milcherzeugern wurde im Januar 2022 per Gesetz

eine Übergangsfrist von einem Jahr zugesagt, um unter anderem bauliche Maßnahmen zur Einrichtung zusätzlicher Haltungssysteme durchzuführen und entsprechendes Personal für den erhöhten Betreuungsaufwand zu finden. Das Land Niedersachsen hat Anfang diesen Jahres einen Antrag im Bundestag eingebracht, die Frist bis zum 1. Januar 2025 zu verlängern. Dieser Antrag ist nun im Agrarausschuss des Bundesrates zu Gunsten der Kälber abgelehnt worden.

Elite-Magazin

22.06.2022: Schweinekrise hält an

Der Schweinebestand in Deutschland ist weiter rückläufig. Neben Baden-Württemberg setzt sich auch in Thüringen und Niedersachsen ein seit längerem anhaltender Trend fort. Gemäß den gerade veröffentlichten Zahlen des Landesstatistikamtes in Thüringen ist die Zahl der gehaltenen Schweine in dem Land in den letzten sechs Monaten von 617.700 auf 596.100 gesunken. Dies ist der zweitniedrigste gemessene Bestand seit mehr als 30 Jahren. Nur im Mai 2021 wurden weniger Schweine gezählt. Grund für den massiven Rückgang seien die dauerhaft geringen Preise für Schweinefleisch, aber auch die höheren Kosten für Futtermittel und Energie, erklärte

der Sprecher des Thüringer Bauernverbandes, Axel Horn. Einen dramatischen Rückgang bei den Schweinen meldete auch Niedersachsen. Nach der Zählung am 3. Mai 2022 sank die Zahl der Schweine innerhalb eines Jahres um mehr als 10 Prozent. 7,3 Mio. Schweine markieren den niedrigsten Schweinebestand der vergangenen zehn Jahre. Dabei stachen besonders der auf mehr als die Hälfte reduzierte Bestand der Eber (-53,1%) sowie der Zuchtsauen (-13,5 %) im Vergleich zum Vorjahresmonat hervor. Auch die Anzahl an Ferkeln reduzierte sich im Vergleich zum Mai 2021 um 12,6 % auf rund 1,9 Mio. Tiere. Etwa 550 Betriebe stellten die Haltung von Schweinen in dem Land ein.

Statistikamt Thüringen


Statistikamt Niedersachsen

22.06.2022: Hessen fördert bienenfreundliche Projekte

Im vergangenen Jahr hat das Land Hessen 95 kleinere, bienenfreundliche Projekte mit insgesamt 50.000 Euro unterstützt. „Wir schützen die Artenvielfalt und damit auch unser Leben und unsere Zukunft. Ohne die Unterstützung von Ehrenamtlichen vor Ort geht das nicht“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz beim Besuch des Lehr- und Kräutergarten Dreieich. „Der Einsatz für Wildbienen ist besonders wichtig, denn 43 Prozent der hessischen Wildbienenarten sind gefährdet oder bereits ausgestorben. Hier müssen wir gegensteuern“, erklärte Hinz weiter. Die Ministerin lobte auch das Engagement vieler hessischer LandwirtInnen, die auf ihren Feldern, häufig in Kooperation mit Imkervereinen, Blühstreifen

anlegen, um Wildbienen, Honigbienen und anderen bestäubenden Insekten Futter zu bieten. Im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative von Landwirtschaft und Imkerei wurden so 2022 insgesamt 1.300 Hektar Blühflächen angelegt. Myvetlearn.de bietet Tierärztinnen und Tierärzten die Online- Fortbildungsreihe Bienen zur Weiterbildung an. Die vier, auch einzeln buchbaren Module, befassen sich mit Biologie, Anatomie und Haltung von Bienen, infektiösen und nicht-infektiösen Bienenkrankheiten inkl. Vergiftungen, Bienenprodukten sowie Recht und Tierschutz. Die Kursreihe ist geeignet zur Weiterbildung für den Erwerb der Zusatzbezeichnung Bienen/den Fachtierarzt für Bienen.

Umweltministerium Hessen


E-Learningkurs Bienen auf Myvetlearn.de

20.06.2022: NRW bringt Maßnahmen zur BHV-Eindämmung auf den Weg

Seit rund fünf Jahren gilt Deutschland als frei von BHV1 (Bovines Herpesvirus Typ 1). Lediglich in einzelnen Gebieten traten seitdem ab und an unentdeckte Virusträger auf, die den Erreger in die Bestände eingetragen haben. Im Regierungsbezirk Düsseldorf sowie im Kreis Borken ist die Zahl der Betriebe, bei denen die Rinderseuche nachgewiesen wurde, in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Die bestätigten BHV1-Ausbrüche traten alle in der Nähe zur niederländischen Grenze auf. Das Nachbarland hat noch keinen BHV1-Freiheitsstatus. Um eine Ausbreitung zu vermeiden, müssen im Fall eines Erregernachweises alle Rinder des

betroffenen Bestandes getötet werden. Zudem droht dem Land Nordrhein-Westfalen der Verlust des Status „Frei von BHV1“. Daher haben das Landwirtschaftsministerium und alle rinderhaltenden Betriebe in den Bezirken einen verbindlich anzuwendenden Leitfaden entwickelt, in dem etwa die Einhaltung zusätzlicher Biosicherheitsmaßnahmen vereinbart wurde. Zudem soll durch ein verstärktes Frühwarnsystem in Form erweiterter Untersuchungspflichten die möglichst schnelle Identifikation der virustragenden Tiere gewährleistet werden, um eine unerkannte Durchseuchung von Rinderbeständen und die Weiterverbreitung des Virus zu unterbinden.

Umweltministerium NRW

15.06.2022: Verhaltenstests könnten Schwanzbeißer im Vorfeld identifizieren

Schwanzbeißen ist eine weitverbreitete Verhaltensstörung bei Schweinen, welche trotz intensiver Forschung in den letzten Jahren nach wie vor nicht effektiv vermieden werden kann. In bisherigen Studien lag der Fokus auf den Opfertieren. Ein vom QS- Wissenschaftsfonds gefördertes Forschungsprojekt hat sich nun mit den sogenannten Tätertieren bzw. einem möglichen Zusammenhang zwischen ihnen und ihrem Gesundheitsstatus befasst. Der gerade veröffentlichte Abschlussbericht zeigt auf, dass die Tätertiere sich in der Allgemeinuntersuchung häufiger auffällig aufgeregt zeigten, während mehr Kontrolltiere besonders ruhig waren. Die beteiligten Forschenden der Christian-

Albrechts-Universität in Kiel haben daher die Hoffnung, dass standardisierte Verhaltenstests zur Identifizierung potentieller Schwanzbeißer entwickelt werden können. Die Untersuchung der dreißig zuvor als potenzielle Schwanzbeißer identifizierten Tiere ergab zudem, dass sie ein geringeres Gewicht als die Tiere der Kontrollgruppe aufwiesen. Zusätzlich zeigte eine Untersuchung der Tierkörper ein vermehrtes Auftreten von Veränderungen im Magen-Darm-Trakt und einen Magnesium-Mangel im Blut der Tätertiere auf. Um die Ergebnisse weiter zu festigen und aussagekräftige Empfehlungen treffen zu können, führt die Forschungsgruppe bereits Folgeprojekte durch.

QS


Abschlussbericht der QS

15.06.2022: Laborfleischtrend in Europa nicht verschlafen

Nachdem das US-amerikanische Unternehmen GOOD Meat den Bau einer Großanlage für die Produktion von Laborfleisch angekündigt hat, fordert das Geflügelfleischunternehmen Wiesenhof eine EU- weite Freigabe für kultiviertes Fleisch. „Wenn da nicht etwas mehr Tempo gemacht wird in Brüssel, wird es am Ende so sein, dass die Genehmigung in den USA und in Asien vorliegt zum Verkauf und wir hier in Europa mal wieder zu spät dran sind", sagte Wiesenhof-Chef Peter Wesjohann gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Bereits im Jahr

2018 hatte die Wiesenhof-Mutter PHW an dem israelischen Start-up Supermeat eine Minderheitsbeteiligung erworben. Der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter kann sich den Bau einer Fabrik auch hierzulande durchaus vorstellen. „Wir sind in Israel auch an einem Unternehmen beteiligt, das im 3-D-Druck aktiv ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass in der Fleischproduktion der Zukunft das Steak von so einem Gerät quasi ausgedruckt wird", so Wesjohann, der die Bundesregierung in der Pflicht sieht, mehr Druck auf EU-Ebene zu machen.

Topagrar

10.06.2022: Anteil der nicht verwertbaren Masthühner gestiegen

Nach Auswertung der aktuellen Fleischuntersuchungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist im vergangenen Jahr der Anteil der nicht zum Verzehr geeigneten Masthühner von 1,7 % im Vorjahr auf nun 2,1 % angestiegen. Mehr als 13 Millionen geschlachtete Hähnchen waren somit ungenießbar. Bei den Mastschweinen blieb der Anteil der nicht verwertbaren Tiere im Vergleich zu 2020 unverändert (0,2 %). Wie das Statistikamt mitteilt, sei bei den untersuchten

Masthühnern die tiefe Dermatitis, eine Hautentzündung im Bereich des Unterbauches und des Darmausgangs, mit rund 30 %, der häufigste Grund der Beanstandungen. Der Hauptgrund für die Untauglichkeitserklärung bei Mastschweinen waren festgestellte multiple Abszesse (36,2 %), gefolgt von Geruch, Konsistenz oder Farbe (15 %) und nicht näher spezifizierten Allgemeinerkrankungen (12 %). Bei 10,4 % der untersuchten Mastschweine war die Leber mit Parasiten befallen.

Destatis