Presseschau

03.02.2023: Mehr multiresistente Keime seit Beginn des Ukrainekriegs

Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine sind in Krankenhäusern in Deutschland auffallend häufiger bestimmte Bakterien mit Resistenzen gegen mehrere Antibiotika nachgewiesen worden. Unter ihnen auch Klebsiella pneumoniae mit einer Resistenz gegen Reserveantibiotika der Carbapeneme. Zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) hat das an der Ruhr-Universität Bochum ansässige Nationale Referenzzentrum (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger nachweisen können, dass viele der gemeldeten Fälle mit Patientinnen und Patienten aus der Ukraine in Zusammenhang stehen.

Das Team von NRZ und RKI empfehlen deswegen ein vorsorgliches Screening von Personen mit Bezug zur Ukraine bei Aufnahme in deutschen Krankenhäusern. „Unsere Analysen haben gezeigt, dass es in der Folge der Hospitalisierung ukrainischer Patienten sehr wahrscheinlich bereits zu Ausbruchsgeschehen in Deutschland mit diesen Bakterienstämmen gekommen ist“, so Niels Pfennigwerth vom NRZ. „Sollte sich dabei bestätigen, dass die Person mit dem Erreger besiedelt ist, wird sie im Krankenhaus isoliert, und es werden sehr strenge Hygienemaßnahmen getroffen.“

Ruhr Universität Bochum

02.02.2023: Antidepressiva fördern Antibiotikaresistenzen

Wissenschaftler der University of Queensland haben jetzt eine eher überraschende Nebenwirkung bei Antidepressiva wie Sertralin, Escitalopram, Bupropion, Duloxetin und Agomelatin entdeckt: diese fünf meist verschriebenen Präparate fördern Resistenzen gegen Antibiotika. "Sertralin, Duloxetin und Fluoxetin hatten den stärksten Einfluss auf die bakterielle Resistenz, selbst bei sehr niedrigen Dosen", sagt Jianhua Guo vom australischen Zentrum für Wasser, Umwelt und Biotechnologie an der UQ. Nun müssten weitere Studien die möglichen Auswirkungen auf die Mikrobiome von Menschen, denen Antidepressiva verabreicht werden, bewerten und ebenso ihr Risiko für gastrointestinale Störungen oder Krankheiten. Denn allein in Australien wurden im Jahr 2021 rund 42 Mio. rezeptpflichtige Antidepressiva

verabreicht. Entsprechendes Potenzial haben Depressiva als Förderer von Antibiotikarisitenzen weltweit. Schon jetzt sterben jährlich etwa 1,3 Millionen Menschen an Infektionen mit multiresistenten Keimen. Diese Zahl soll 2050 rund 10 Millionen betragen. Bislang wurde vor allem die unsachgemäße Verschreibung und Einnahme von Antibiotika sowie der Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion für die zunehmenden Resistenzen verantwortlich gemacht. Unzweifelhaft fest steht jedoch, dass es sich bei Antibiotikaresistemzen um ein "One-Health-Problem" handelt, dass von allen Seiten gemeinsam bekämpft werden muss. Um One-Health geht es auch bei der Futura.VET am 16.2.2023, zu der TierärztInnen, HumanmedizinerInnen und LandwirtInnen eingeladen sind.

University of Queensland

31.01.2023: Neues Referenzzentrum zur Stärkung gefährdeter Nutztierrassen

Schwarzes Bergschaf, Wollschwein, Warzenente oder Brillenschaf – das sind alles alte Nutztierrassen, die in Europa auf der sogenannten Roten Liste stehen. Weltweit ist die Vielfalt der Nutztierrassen bedroht. In Deutschland betrifft das schon mehr als 70 Prozent. Das EU-Referenzzentrum für gefährdete Nutztierrassen ist zu Anfang des Jahres gegründet worden, um diese Vielfalt wieder zu stärken. „Mit dem neuen European Union Reference Centre for Endangered Animal Breeds, kurz EURC-EAB, stärken wir die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und Zuchtverbänden der EU-Mitgliedstaaten," fasst Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der BLE, die Arbeit des Referenzenzentrums zusammen. „Es geht um den Austausch von Erfahrungen und Lösungsansätzen, was wir gemeinsam und konkret für gefährdete Nutztierrassen tun können." Die Leitung des Zentrums haben gleichermaßen das niederländische Institut Wageningen Livestock Research (WLR),

das Institut de l’Élevage (IDELE) aus Frankreich sowie das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) übernommen. Ein besonderer Fokus des Konsortiums wird in der Umsetzung der in der Tierzuchtverordnung verankerten Sonderregelungen für bedrohte Nutztierrassen liegen. Hierzu zählen beispielsweise die vereinfachte Aufnahme von Tieren in Zuchtbücher, um die Nutztierrassenvielfalt und die genetische Diversität innerhalb einer Rasse zu erhalten. Dazu müssen unter anderem Definitionen und Kriterien für den Gefährdungsstatus einer Rasse EU-weit harmonisiert werden – diese werden zunächst in einer europaweiten Umfrage erfasst. Zudem soll eine enge Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung tiergenetischer Ressourcen zu einem umfangreichen Wissensaustausch führen.

BLE

23.01.2023: Kampf gegen multiresistente Erreger muss fortgesetzt werden

Die Zunahme antimikrobieller Resistenzen (AMR) ist hauptsächlich auf den inflationären und unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika, Virostatika oder Antimykotika zurückzuführen. Immer häufiger treten Erreger auf, die sich resistent gegenüber den bekannten Wirkstoffen zeigen. Pharma- und Forschungsunternehmen sind auf der Suche nach effizienten Gegenmaßnahmen, was sich jedoch alles andere als einfach gestaltet. Eine neue Research-Publikation der VDI Technologiezentrum GmbH, bietet einen Überblick zu Hintergründen, dem aktuellen Stand und Ansätzen im Kampf gegen multiresistente Erreger. Neben neuen wirksamen Antibiotika forschen WissenschaftlerInnen beispielsweise an Impfstoffen gegen antibiotikaresistente Bakterien. Nach dem Scheitern einiger Projekte zielt ein neuer, vielversprechender Ansatz auf den Stoffwechsel der Bakterien ab. Da die Entwicklung von entsprechenden Antibiotika sowie von Impfstoffen einerseits sehr kostenintensiv, andererseits wenig erfolgversprechend ist, ist die Pharmaindustrie

kaum noch bereit, in die Forschung zu investieren. Der Einsatz von Bakteriophagen, der sowohl als Option für die Therapie als auch die Prävention von Erkrankungen mit resistenten Bakterien gilt, scheint mehr Erfolg zu versprechen. Auch in der Tiermedizin wird die Phagentherapie als Ansatzpunkt im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen diskutiert. Problematisch wird auch die stetige Zunahme von resistenzen bei anderen Mikroorganismen wie Pilzen gesehen. Im vergangenen Jahr berichtete die US- amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) über Ausbrüche von Candida-auris- Infektionen in Pflegeeinrichtungen, bei denen Fälle von Panresistenz auftraten und demnach sämtliche Antimykotika wirkungslos waren. Um die Entwicklung weiterer Resistenzen im Stall zu verhindern, ist die Online- Plattform VetMAB.de geschaffen worden. Denn durch eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Nutztieren und dem Betriebsmanagement können weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt werden.

CDI


Research-Publikation der VDI


VetMAB

23.01.2023: BMEL fördert klima- und umweltschonende Aquakulturen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ruft zur Einreichung von Forschungsprojekten für eine klima- und umweltschonende Aquakultur auf. Gefördert werden Projekte von Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die den nachhaltigen Konsum und die gesellschaftliche Anerkennung stärken. Zudem können Projektideen eingereicht werden, die ein Bestands- und Produktionssystemmanagement

entwickeln, Nährstoffkreisläufe optimieren und Anpassungen an klimatische Veränderungen umsetzen. Projekte zu Tiergesundheit und -monitoring, zur Zucht und Reproduktion sowie zur Förderung der Algenaquakultur sind ausdrücklich erwünscht. Bis zum 20. April 2023 können Projektskizzen bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträger eingereicht werden.

BLE

23.01.2023: Politische Anklage auf dem bpt-Neujahrsempfang

Die Internationale Grüne Woche ist am vergangenen Donnerstag eröffnet worden und präsentiert noch bis zum 29.1.2023 die Neuigkeiten rund um die Landwirtschaft. Traditionell hat auch der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) im Rahmen der Veranstaltung seinen Neujahrsempfang abgehalten. bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder nutzte den Moment und lenkte seine Kritik hinsichtlich der Novelle des Tierarzneimittelgesetzes (TAMG) in Richtung der Ampel-Koalition. „Wenn Sie, sehr geehrte Bundestagsabgeordnete, meinen, Sie wissen es besser, als diejenigen, die bereits zu einer Reduktion des Antibiotikaverbrauchs von über 60 % beigetragen haben, dann sparen Sie sich und uns die Zeit für Alibiveranstaltungen!“, so Moder. Der Präsident zeigte so seinen Unmut darüber, dass die Regierung das TAMG über EU- Vorgaben

hinaus weiter verschärft hat, ohne die fachliche Tierarzt-Expertise mit in die Entscheidung einfließen zu lassen. Sämtliche Fachverbände hätten im Vorfeld darauf hingewiesen, dass das Vorhaben mit Blick auf die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen nicht zielführend sei, so Moder. Der bpt-Präsident kritisierte zudem, dass stattdessen ein immenser bürokratischer Mehraufwand durch die Meldepflicht in den Praxen und Kliniken entstehe, obwohl der Tierärztemangel schon jetzt für enorme Probleme sorge. Die dramatische Personalsituation im veterinärmedizinischen Bereich hat weitreichende Konsequenzen. „Die anfänglich vorhandene Begeisterung für die Arbeit an und mit den Tieren geht immer mehr über in Frust, weil die Wertschätzung der Politik fehlt und die Bürokratie immer mehr Zeit frisst, die man eigentlich lieber am Patienten/Tier verbringen würde“, betonte Moder.

bpt

20.01.2023: Verbot der Kükentötung führt zu Wettbewerbsverzerrung

Bis Ende 2021 wurden pro Jahr annähernd 45 Millionen männliche Nachkommen von Legehennen direkt nach dem Schlüpfen getötet, weil sich die Aufzucht wirtschaftlich nicht rechnet. Seit Anfang 2022 ist dieses Kükentöten verboten. TierschützerInnen und auch die Geflügelbranche zeigen sich mit der aktuellen Entwicklung jedoch noch unzufrieden und weisen auf die wettbewerbsverzerrenden Effekte der uneinheitlichen Gesetzeslage hin. Denn das Verbot gilt nicht für alle EU-Länder. Sowohl die Einfuhr von Legehennen als auch von Eiern aus dem Ausland ist noch immer erlaubt. Dadurch können Eierproduzenten das deutsche Kükentötungsverbot umgehen. „Insbesondere in verarbeiteten Produkten werden sowohl viele Eier aus einer Produktion mit Kükentöten als auch Eier aus Käfighaltung eingesetzt“, kritisiert Dietmar Tepe vom Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) in Bonn. Aus Sicht der Geflügelwirtschaft lohne sich die so genannte Bruderhahnhaltung überhaupt nicht, wie

Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), erklärt. Zudem fehlen spezielle Regelungen zur Aufzucht der männlichen Tiere, die sich körperlich und mit Blick auf ihr Verhalten deutlich von den Masthähnchen unterscheiden. Die Bruderhähne würden so kostengünstig wie möglich aufgezogen, ohne dass man dabei ihren Bedürfnissen gerecht werde, wie eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes betont. Neben der Bruderhahnhaltung stellt die Geschlechtsbestimmung im Ei eine weitere Möglichkeit dar. Die bislang zur Verfügung stehenden Methoden liefern jedoch erst Ergebnisse ab dem 9. oder 13. Tag des Brütens. Verfahren, die schon früher Ergebnisse liefern, sind noch in der Entwicklung und bislang nicht marktreif. Ein Ei muss vom Legen bis zum Schlüpfen des Kükens 21 Tage lang bebrütet werden. Im nächsten Jahr soll jedoch eine Verschärfung in Kraft treten, die die Eierselektion ab dem 7. Tag des Brütens verbietet.

Proplanta

18.01.2023: CattleHub bewertet digitale Assistenzsysteme

Die Digitalisierung hält immer öfter Einzug in den Rinderstall. So werden mehr und mehr digitale Assistenzsysteme eingesetzt, die die LandwirtInnen durch verbesserte Entscheidungsempfehlungen unterstützen. Das Experimentierfeld CattleHub bewertet unterschiedliche Systeme besonders in den Bereichen Tracking, Sensorik, Funkvernetzung sowie Energieversorgung. Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz soll geprüft werden und zu höherer Prognosesicherheit in der Datenanalyse beitragen. Aufgeteilt in sieben verschiedene Experimentierbereiche, zielt CattleHub darauf ab, neue Erkenntnisse zu

gewinnen, die in der Praxis Anwendung finden. Neben Verbesserungen für die energetische Versorgung der Systeme und der Schaffung einheitlicher Testmethoden erhalten die NutztierhalterInnen objektive Empfehlungen für die Praxis, die sowohl wirtschaftliche Vorteile bieten, aber auch das Tierwohl steigern können. Auch soll die Bedienerfreundlichkeit der Assistenzsysteme verbessert werden. In allen sieben Experimentierbereichen ist der Wissenstransfer das übergeordnete Ziel. Die gewonnenen Ergebnisse sollen in die Praxis eingearbeitet und den LandwirtInnen zur Verfügung gestellt werden.

CattleHub

17.01.2023: Neues TAMG bereitet Fischtierärzten Sorge

Das Wimpertierchen Ichthyophthirius multifiliis ist ein Parasit, das erhebliche Schäden in Aquarien und Aquakulturen anrichten kann. Unter anderem kann der Parasit bei Fischen die Weißpünktchenkrankheit verursachen. Die Präparate zur Behandlung dieser Krankheit werden laut des vor knapp zwei Monaten in Kraft getretenen Tierarzneimittelgesetzes (TAMG) spätestens ab 2027 verschreibungspflichtig sein. Diese Regelung gilt für alle antimikrobiell wirksamen Arzneimittel. „Ihre Anwendung ist also nur noch nach einer Untersuchung und Verschreibung durch den Tierarzt erlaubt“, erklärt Fischtierärztin Sandra Lechleiter. In Deutschland gibt es jedoch nur wenige Fachtierärzte für Fische mit eigener Praxis sowie andere spezialisierte

Untersuchungsstellen. Die Gesetzesnovelle könnte demnach einen Notstand in der Aquakultur hervorrufen. Die Behandlung von Millionen von Tieren sei dadurch gefährdet, so Lechleiter. Werde die Weißpünktchenkrankheit nicht innerhalb weniger Tage behandelt, könnte ein Großteil der Fische in einem betroffenen Aquarium sterben. Die Fachtierärztin plädiert schon aus Tierschutzgründen für Ausnahmen, um ein paar dieser Arzneimittel trotzdem weiter nutzen zu können. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) verweist allerdings auf eine EU- Verordnung, die dem neuen Tierarzneimittelgesetz zugrunde liegt. Diese ziele unter anderem darauf ab, dass antimikrobiell wirksame Tierarzneimittel umsichtiger eingesetzt werden.

Proplanta

13.01.2023: Niedersachsen fördert Beratung landwirtschaftlicher Betriebe

Das Land Niedersachsen wird die Beratung landwirtchaftlicher Betriebe mehr fördern. In den nächsten drei Jahren stellt das Land sechs Millionen Euro für die Beratung in den Bereichen Biodiversität, Klimaresilienz und Tierwohl zur Verfügung. „Die Landwirtschaft steht in Zeiten des Klimawandels vor tiefgreifenden Transformationsprozessen. Mit dieser Förderung wollen wir die Landwirtinnen und Landwirte unterstützen und begleiten, um die großen Herausforderungen zielgerichteter und schneller meistern zu können“, erklärt die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte. Bis zum 2. Februar 2023 können sich neutrale BeratungsanbieterInnen an der Ausschreibung beteiligen. Das Vergabeverfahren wird im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums

durch das Logistik Zentrum Niedersachsen (LZN) durchgeführt. Die geförderten Beratungen können bei erfolgreicher Teilnahme voraussichtlich ab Mai 2023 umgesetzt werden. Mit dem Zusammenspiel von Landwirtschaft, Veterinär- und Humanmedizin für eine bessere Gesundheit von Mensch und Tier befasst sich auch die Futura.VET, die am 16. Februar 2023 erstmalig als Online- Veranstaltung stattfinden wird. Die Kongress-TeilnehmerInnen dürfen gespannt sein auf den Vortrag „Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung“ mit Dr. Joachim Lübbo Kleen und Dr. Christian Nürnberger. Guido Pullmann wird sich anschließend in seinem Vortrag mit dem Thema „Nachhaltige Lebensmittelversorgung und Naturschutz“ befassen.

Ministerium Niedersachsen


Futura.VET